Qualitätsmanagement in
der Hygiene
1. Vorbemerkung
Während
meiner
21 Jahre
Berufspraxis im OP-Dienst, wurden Neuerungen, Entwicklungen oder die
Umsetzung von gesetzlichen oder normativen Regeln in hygienischer
Hinsicht von wenigen engagierten, beleseneren Kollegen im Team
angeregt. Im Idealfall wurden diese mit der Leitung des OP’s
umgesetzt, – gelegentlich auch mal ohne deren Zustimmung.
Während der Zeit im OP habe ich nie persönlich beruflich
Erfahrungen mit einer Hygienefachkraft machen können.
Nur
sehr selten wurde von der HFK
aus, eine Änderung für den Bereich OP angeregt, diese waren
jedoch meist berufs- und praxisfremd und nicht oder schwer umsetzbar.
Dies lässt sich meiner Ansicht nach mit
Berührungsängsten
erklären, die manche Kollegen mit Fach-Abteilungen haben und
dass ihnen, die Arbeitsabläufe der entsprechenden Abteilung
nicht bekannt sind! – Und die Unsensibilität mit der
Veränderungen im Sinne hygienischer Verbesserungen vor Ort
durchgesetzt werden sollen!
Probleme
ergeben sich durch die
Ausbildung der Krankenpflegeschüler. – durch die
beschränkten Einsätze der Krankenpflegeschüler (z. B.
im OP, oder andere Fachbereichen), können manche
Schlüsselqualifikationen für bestimmte Bereiche nicht mehr
erworben werden. Hier wird die Möglichkeit vertan, Grundwissen
zu erwerben, was später fehlt. - Wie sollen so später
hygienische Begehungen sachkundig durchgeführt, umgesetzt oder
sonstige Änderungen angeregt werden! Sicher kann sich die
einzelne HFK nicht in allen Bereichen auskennen. Das aber, sollte
gerade nicht dazu führen, mit einem als Rüstung zur
äußeren
Schau gestellten, universellem Wissen und resolutem Auftreten, jeden
Einwand im Keim zu ersticken.
Durch
die wie ich finde,
mangelnde Auseinandersetzung mit den Profis vor Ort, wirkt manche
hygienische Maßnahme, eingeleitet von Hygienefachkräften,
völlig überzogen, praxisfern und schwer nachvollziehbar.
Aufgrund mangelhafter sozialer (kommunikativer) Kompetenz, kann oft
nicht deutlich gemacht werden, warum bestimmte Maßnahmen, die
während der Ausbildung gelernt und praktiziert wurden, jetzt
plötzlich ganz anders ausgeführt werden sollen. Oft wird
versucht eine Lösung einfach überzustülpen, ohne die
Beschäftigten in eine Lösungsfindung mit einzubeziehen.
Während
der letzten 4 Jahre
im OP war ich als Praxisanleiter tätig. Der Vorgaben
entsprechend wurde die Weiterbildung zum Praxisanleiter absolviert.
Gegenstand der Ausbildung war Didaktik, Rhetorik, Pädagogik und
Lernpsychologie. Es wurden u. a. Motivationsprobleme und
Kommunikationsstörungen thematisiert. Als Schwerpunkt wurde uns
Kursteilnehmern ein umfassendes Rüstzeug zum selbstständigen
Unterrichten von Erwachsenen angeboten. Es wurde hier klar, warum
manche Menschen auf Neuerungen oft so ablehnend reagieren. Warum
übergestülpte Komplettlösungen so oft Widerstand
hervorrufen, sich nicht oder nur schwer durchsetzen lassen und
Resignation nach sich ziehen können: Erwachsene möchten
sich gerne in den Lösungen wiedererkennen und ihre Erfahrungen
in die Lösungsfindung mit einbringen können – und sie
wollen verstehen was als theoretischer Rahmen hinter den Vorgaben
steht! Wird dies respektiert kann man mit einer dauerhaften und
vollständigen Umsetzung der veränderten Maßnahme
rechnen. Andernfalls wird eine Veränderung kaum angenommen
werden, sondern als störend empfunden.
Als
sich dann in unserem Haus der
Wechsel zur Hygiene anbot, ließen mich die offensichtlichen
Synergien zur Praxisanleitung, die neue Herausforderung annehmen.
Diese Überlegungen führten dazu, dass ich mir darüber
Gedanken machte, wie:
a) das Schattendasein
der
Hygiene bei uns im Hause beendet werden kann;
b) medizinische
Neuerungen
und Erkenntnisse in der Hygiene besser „vor Ort“ angeboten und bekannt
gemacht werden können;
c) es mir
möglich ist
Neues gemeinsam mit den Kollegen so umzusetzen, dass es diesen
möglich ist, diese Änderungen anzunehmen und zu vertreten;
d) ich in einen
ständigen Dialog mit den Kollegen eintreten kann, um die
hygienischen Probleme vor Ort zu verstehen und ich damit die Probleme
der Kollegen begreifen lerne;
Ich
suchte Möglichkeiten,
wie mehr Akzeptanz für hygienische Innovationen oder
Erkenntnisse erreicht und wie diese den Kollegen besser bekannt
gemacht und umgesetzt werden können.
Wie
schon erwähnt lässt
sich eine Veränderung besser und mit weniger Widerstand in der
Praxis durchsetzen, wenn die Kollegen verstanden haben, warum diese
so notwendig ist und die theoretischen Hintergründe kennen. Der
Hygiene wird mit mehr Motivation und Engagement begegnet, wenn das
notwendige Verständnis für bestimmte Änderungen
vermittelt werden kann. Dies kommt an erster Stelle vor einer
zielgerichteten, sachlich richtigen, dauerhaften und vollständigen
Umsetzung vor Ort.
2. Gesetzlicher, normativer
Hintergrund
Der Gesetzgeber war in den vergangenen
Jahren gefordert für die zunehmende finanziellen Probleme im
Gesundheitssystem Lösungen zu finden. Folgende Punkte möchte
ich nennen:
wachsender Kostendruck im
Gesundheitssystem.
Die Veränderungen in der
Wertvorstellung von im Krankenhaus erworbenen Infektionen. Diese werden
nicht mehr als Schicksal hingenommen.
Die Erhöhung des
Verbraucherschutzes.
Das steht mit einem veränderten
Haftungsrecht im Zusammenhang.
Politisch wird ein Wettbewerb der
Leistungserbringer im Gesundheitssystem gewünscht.
Auch vor der Reform von 1996 hatte die
Politik mit dem Problem der steigenden Kosten im Gesundheitssystem
wiederholt zu tun. Auch wenn die viel zitierte Kostenexplosion im
Gesundheitssystem so nie stattgefunden hat, wurde die Finanzproblematik
zum Anlass genommen, längst überfällige Reformen im
Gesundheitssystem durchzusetzen. So kam es im Jahre 1996 zur
Verpflichtung der Krankenhäuser, ein
Qualitätssicherungssystem einzuführen. Diese Verpflichtung
durch § 135 im SGB V [3] trug den positiven Erfahrungen der
Industrie mit diesem Instrument Rechnung.
Definition
Qualität:
Duden:
a) Beschaffenheit; b)
Güte, Wert.
Qualität
wird als (meist)
positive Eigenschaft eines Produktes (Arbeitsleistung) verstanden,
die zur schnellstmöglichen Zielerreichung unter Einbeziehung
möglichst aller Erwartungen/Bedingungen (gesetzliche, normative,
Erwartungshaltung der Klientel usw.) notwendig ist.
Das
SGB V von 1996, schreibt im §
135a vor:
§
„Die Leistungserbringer sind zur Sicherung und Weiterentwicklung der
Qualität der von ihnen erbrachten Leistung verpflichtet. Die
Leistungen müssen dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen
Erkenntnisse entsprechen und in der fachlich gebotenen Qualität
erbracht werden.
§
Vertragsärzte,
zugelassene Krankenhäuser sowie Erbringer von Vorsorgeleistungen
oder Rehabilitationsmaßnahmen sind nach Maßgabe der
§§ 136a, 136b, 137 und 137d verpflichtet, sich an
einrichtungsübergreifenden Maßnahmen der
Qualitätssicherung zu beteiligen, die insbesondere zum Ziel haben,
die Ergebnisqualität zu verbessern. Zugelassene
Krankenhäuser, stationäre Vorsorgeeinrichtungen und
stationäre Rehabilitationseinrichtungen sind nach Maßgabe
der §§ 137, 137 d verpflichtet, einrichtungsintern ein
Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln.“
Auch wenn die
Maßnahme
vielfach nicht geliebt wird, hat sich viel verändert. Vielerorts
wurden Qualitätszirkel gegründet, es werden für viel
Geld Mitarbeiter geschult und Patienten befragt. Handlungsabläufe
wurden und werden überdacht, definiert und standardisiert,
Assessoren wurden und werden geschult und Visitoren ausgebildet. In
nahezu allen Krankenhausbereichen finden derzeit mehr oder weniger
umwälzende Änderungen im Bewusstsein der Vorgesetzten und
Mitarbeiter statt. TQM, EFQM und KTQ sind Schlagbegriffe die uns im
Gesundheitssystem mittlerweile alltäglich geworden sind. Zentral
ist diesen Prozessen unter anderem die Erkenntnis, dass, wenn ein
Krankenhaus am Markt dauerhaft Erfolg haben will, eine langfristige
Unternehmensstrategie zu entwickeln ist. Hier müssen die
wichtigsten Unternehmensziele für die Zukunft definiert und
bestimmte Wege und Methoden zur Erreichung der Ziele aufgezeigt werden.
Die Handlungsabläufe sind an neue Erfordernisse, die sich im Laufe
der Entwicklung ergeben, fortwährend zu überdenken und
anzupassen.
Bei
allen immer noch
existierenden Vorurteilen und Widerständen gegenüber dem
Qualitätsmanagement, hat sich das Rad der Entwicklung jedoch
weitergedreht und zumindest wurde das Denken in den meisten Bereichen
nachhaltig zum Positiven verändert.
RKI-Vorgaben
Das
Robert-Koch Institut in
Berlin hat 1994 die Rechtsnachfolge des Bundesgesundheitsamtes
angetreten. Als oberste Bundesgesundheitsbehörde erarbeiten
Expertengremien Richtlinien für die Krankenhaushygiene. Diese
werden regelmäßig überarbeitet und als sogenannte
„evidenz based Medizin“ kategorisiert den Anwendern via
Internet oder über Verlag zur Verfügung gestellt.
Die
RKI-Richtlinie [7] nennt unter Punkt 5.3.7 (3) Aufgabenkatalog der
Hygienefachkraft umfangreiche Arbeitsgebiete, die mit dem
Krankenhaushygieniker bzw. Hygienebeauftragten gemeinsam wahrzunehmen
sind.
Weiter
wird unter Punkt 5.6 unter
der Überschrift „Hygienische Untersuchungen in
Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen“
die Tätigkeit weiter definiert.
Einige
dieser Vorschläge
sind sicherlich kontrovers zu diskutieren: so z. B. die
Erfolgskontrolle der chirurgischen Händedesinfektion. Hier
würde
man sich und anderen durch den Zeitdruck im OP unnötig Probleme
bereiten, wenn durch solche Störungen der Ablauf im OP-Programm
verzögert würde.
Diese
umfangreiche Vorgabe
möchten wohl eher als Anregung verstanden werden, was alles zum
Tätigkeitsfeld der HFK gehören kann. Da viele HFK in den
Kliniken personell unterrepräsentiert und damit überlastet
sind, kann sich die Arbeit meist nur auf die Risikobereiche, d.h.
Bereiche mit erhöhtem Infektionsrisiko (für Personal und
Patient) konzentrieren.
Die
Qualität der HFK kann
sich nicht allein daran, wie oft und umfangreich sich die
Tätigkeit
an den Vorgaben orientiert, messen lassen! Woran aber kann sich die
erzielte Qualität der HFK außer vielleicht bei den
KTQ-Kriterien [2] messen lassen?
3.
Grundlagen
QM
Die naheliegenden
Idee, ein
System der Industrie, das Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen
zu etablieren, erntete zu Beginn von den Beteiligten sehr viel Skepsis.
Nach
der Einführung des
ersten Qualitätsmanagementverfahrens, des TQM, wurde rasch klar,
dass das System für den Bereich der Krankenhauslandschaft zu
viele Fragen offen lässt. Es waren auch hohe
Adaptationsleistungen zu erbringen. Nach der ersten Umsetzung,
wurde offensichtlich, dass andere Systeme gefunden werden mussten.
Als reines Anwendungsverfahren bot es nur übergeordnete
Anweisungsverfahren zum Thema Patienten (Kunden)-zufriedenheit,
Mitarbeitermotivation und –zufriedenheit sowie zur Ökonomie
im Krankenhaus.
Bessere
Ansätze bot für
das Krankenhaus das Model der EFQM; hier werden schon die Effizienz
und das Ergebnis der Prozesse hinterfragt und entwickelt. Auch ist
hier schon durch den Hinweis auf handlungsorientierte Vorbeugung, im
Sinne eines Riskmanagements, der Ansatz für ein vorausschauendes
und zielgerichtetes Hygienemanagement gegeben.
Zertifizierung
nach KTQ
Mit
dem Streben nach einer Zertifizierung der Krankenhäuser wurde es
notwendig, einen Katalog [2] zu entwickeln, in dem eindeutige und
vergleichbare Daten die Grundlage bilden. Dazu wurde aufgrund von
Gesetzen, Richtlinien und normativen Regelwerken Eckpunkte
erarbeitet, die Kriterien für ein Bewertungssystem bilden.
Nachdem die Testphase der KTQ abgeschlossen ist, können alle
Krankenhäuser seit diesem Jahr mit dem Katalog 4.0 der KTQ eine
Zertifizierung erreichen. In diesem Katalog werden eindeutig auch der
Hygiene unter der Hauptkategorie 3: „Sicherheit im
Krankenhaus“, Subkategorie 3.2 „Hygiene“ insgesamt
4 Punkte qualitätsrelevant zugeschrieben. Die einzelnen
Kriterien sind:
Organisation
der Hygiene
3.2.1.
Erfassung
und Nutzung hygienerelevanter Daten
3.2.2.
Planung
und Durchführung hygienesichernder
Maßnahmen
3.2.3.
Einhaltung von
Hygienerichtlinien
3.2.4.
Für die Hygiene existieren
noch zwei weiteren Bereiche des KTQ-Fragenkataloges, in denen diese
zumindest noch zum Teil involviert ist, diese sind die Verfahren zum
Brand- und Arbeitsschutz.
Nachdem
unsere Klinik eine
Zertifizierung anstrebt, setzen wir uns derzeit ausschließlich
mit dem KTQ-Katalog auseinander. Im Moment ist die
Selbstbewertungsphase abgeschlossen und die Besuche der Vistoren
stehen ins Haus.
Selbstverständlich
haben wir
uns die Jahre von 1996 bis heute, wie andere auch, intensiv mit TQM
und EFQM auseinandergesetzt.
Die
Datenerhebung
(Selbstbewertung) zur Zertifizierung erfolgt als sogenanntes
Selbst-Interview. Es wird anhand einer Einführung zunächst
der Sinn und Zweck der Selbstbewertung und die gewünschte
Vorgehensweise erläutert. Bei jedem Kriterium erfolgt die
Erläuterung dessen, worauf es im besonderen Fall ankommt. Darauf
folgen die Fragen zu jedem Kriterium. Diese unterteilen sich jeweils
in PLAN, DO, CHECK und ACT
(PDCA-Zyklus).
Diese Vorgehensweise über diesen PDCA-Zyklus ist durchgängig
bei jeder Frage anzuwenden.
PLAN
steht für die Planung, inwieweit das Vorgehen nachweisbar fundiert
ist und wer dafür verantwortlich ist.
DO
steht für inwieweit die Planung in der Praxis strukturiert
umgesetzt wird.
CHECK
soll die Effektivität der Vorgehensweise regelmäßig
überprüfen.
ACT soll die
Verbesserungsmaßnahmen daraus ableiten, indem lernorientierte
Aktivitäten genutzt werden, um beste Praktiken und
Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren und mit anderen zu
teilen. Die Ergebnisse der Messungen und lernorientierten
Aktivitäten werden analysiert und genutzt, um Verbesserungen zu
identifizieren, zu priorisieren, zu planen und einzuführen.“ [2]
Dabei
zählen
die hygienerelevanten Kriterien 3.2.1 – 3.2.4 mit zu den 24
Kernkriterien (siehe [2]; S. 17, S. 22). Diesen Kernkriterien wird
für die Qualität bei der Patientenversorgung gemäß
den Ergebnissen der Pilotphase eine besondere Bedeutung beigemessen.
Die Kernkriterien müssen einen vollständigen PDCA-Zyklus
beschreiben. Sie werden nach einer Tabelle mit Punkten gewertet und bei
der Auswertung mit dem Faktor 1,5 gewichtet. Insgesamt sind 1299 Punkte
erreichbar. Die als Selbstbewertung durchgeführte Befragung wird
durch sogenannte Visitoren überprüft. Die Zertifizierung gilt
zunächst für 3 Jahre und wird dann erneut
überprüft. Besondere Probleme sehe ich nicht in der
Erreichung der Zertifizierungspunktzahl. Es mag sicher viele Kliniken
geben, die die erforderliche Punktzahl zur Erstzertifizierung
erreichen. Jedoch zeigt hier der PDCA-Zyklus, dass eine fortlaufende
und wie in einem Regelkreislauf durchlaufende Neuorientierung und
–ausrichtung durchgeführt werden soll. Diese relativ kurzfristige
Innovationszyklus widerstrebt manchem Charakter in leitender Position.
Die Probleme werden dann auftreten, wenn die Rezertifizierung ansteht
und die erforderlichen Adaptationsleistungen nicht erbracht sind. Und
gerade hier ist die besondere Problematik verborgen: eine Klinik kann
sich feiern, wenn die Erstzertifizierung geschafft ist und die Medien
aus diesem Anlass bemühen. Aber - es ist schwierig den
Vertragpartnern (Kassen) und den Patienten gegenüber zu
begründen, warum eine Rezertifizierung nicht erreicht wurde! Hier
wird sehr viel Vertrauen verloren gehen, was nur schwer oder nie wieder
aufgebaut werden kann!
4. Surveillance nosokomialer
Infektionen
Die
Surveillance
nosokomialer Infektionen nimmt eine besondere Stellung ein. Sie soll
Krankenhäuser im Bezug auf Infektionen miteinander vergleichbar
machen. Allein damit verspricht sich der Gesetzgeber eine Reduktion der
nosokomialen Infekte, was die Erfahrungen in anderen Ländern
hoffen lassen. Durch die Daten des Surveillance-Systems, kann dem
Krankenhauspersonal die Bedeutung von Krankenhausinfektionen klar
gemacht werden. Viele Menschen neigen zu einer unbewußten
Verhaltensänderung, wenn sie beobachtet werden (sogenannter
„Hawthorne-Effekt“ siehe [6] S. 11).
Seit
Einführung des IfSG im
Jahr 2000, wurde die Surveillance (Erfassung und Bewertung) von
nosokomialen Infektionen für die Krankenhäuser
vorgeschrieben. Mit der Durchführung sind vornehmlich die
Hygienefachkräfte beauftragt. Durch die Surveillance und durch
die Einführung von z. B. Hygienestandards, lässt sich die
Zahl von nosokomialen Infektionen senken. In einer großen
amerikanischen Studie die schon im Jahr 1985! mit mehr als 300.000
Patienten konnte gezeigt werden, dass sich etwa ein Drittel der
nosokomialen Infektionen vermeiden lässt. Dazu muss
qualifiziertes Hygienepersonal in ausreichender Anzahl vor Ort sein.
Es erwies sich, dass eine Hygienefachkraft für nicht mehr als
250 Patienten zuständig sein solle (siehe [6] S. 11).
Die
Erfassung und Bewertung von
nosokomialen Infektionen ist wichtiges Element des
Qualitätsmanagement-Systems. Es beinhaltet im wesentlichen 2
Funktionen des inneren Qualitätsmanagementsystems:
Messinstrument
zum Bestimmen der klinikinternen Infektionsrate
Evaluation der
klinikeigenen Infektionspräventionsstrategie
Die
Surveillance kann Defizite
offen legen und lässt erkennen wo Handlungsbedarf für
Veränderung oder Schulung besteht. Das setzt voraus, dass die
Daten nicht geschönt werden. Daher sollen sie nur im Haus
Verwendung finden und Gesundheitsbehörden oder Kassen nicht zur
Verfügung gestellt werden!
Die
Surveillance nosokomialer
Infektionen führte in US-amerikanischen Kliniken, bei einer
Reduktion der Infektionsrate um 6 % zu einer Kostendeckung der
Ausgaben für die Krankenhaushygiene. Somit ist die Surveillance
in der Lage, Kosten einzusparen, wenn es gelingt höhere
Reduktionsraten zu erreichen (siehe [6] S. 11).
5.
Institutioneller Hintergrund
Die HFK
ist in der
Hierarchie der Krankenhäuser meist weit oben angesiedelt. Entweder
als Stabsstelle der PDL oder als Stabsstelle der
Geschäftsführung. Dabei sollte die zweite Möglichkeit
als der „Goldstandard“ angesehen werden, da die HFK der
Geschäftsleitung gezielt zuarbeiten kann. Das Interesse, das die
meisten Geschäftsführungen der Tätigkeit der HFK zollen,
ist leider klein. Nachdem der Gesetzgeber in den „Richtlinien für
Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“ die Erkenntnis
umgesetzt hat, dass HFK für die Krankenhaushygiene und damit
für die Qualität eines Hause von entscheidender Bedeutung
ist, wurde leider „vor Ort“ versäumt den Überlegungen zu
folgen und die Vorteile zu nutzen. Auch die Einführung des §
173a SGB V [3] brachte hinsichtlich der Bedeutung und der Stellung von
HFK in den Kliniken nichts. Erst der Zertifizierungskatalog der KTQ hat
die Essentialität der HFK in den genannten vier Punkten
ausgearbeitet und festgeschrieben. Jedoch ist es meiner Ansicht nach
orginäre Aufgabe der HFK, ihre Arbeit darzustellen und den Kosten
- Nutzen Aspekt ihrer Arbeit aufzuzeigen. Da es ein legitimer Anspruch
eines Unternehmens ist, jeden eingesetzten Euro, mindestens
zurückzubekommen, scheint mir der Ansatz zwingend, die jeweilige
Arbeit als HFK auch entsprechend darzustellen. Dabei ist es sicherlich
schwierig, gegen die herrschenden Vorurteile nur Kosten zu verursachen,
sinnvoll anzugehen. Wie soll man beweisen, dass eine bestimmte
Maßnahmen etwas verhindert hat und damit Nutzen bringt. Gerade
den vermeidlich nötigen Beweis hat man mit der hygienischen
Veränderung verhindert. Die Umkehrung des Verfahrens, nämlich
die bewusste Unterlassung, um die Notwendigkeit der Maßnahme zu
belegen, ist aufgrund des zu befürchtenden Schadens für
andere, nicht vertretbar. So ist es schwierig und sicherlich
langwierig, die Arbeit und den Erfolg darzustellen.
Gerade
hier schafft jedoch das
Qualitätsmanagement über das Benchmarking, ein Instrument
welches hier die Arbeit erleichtert. Dieses soll es ermöglichen
durch die Veröffentlichung der Ergebnisse der ausgezeichneten
Firmen sogenannte „Best practice-Methoden“ zur Anwendung
zu bringen. Durch das Lernen von dem besten Unternehmen soll die
Chance für ein KH möglich werden, z. B. von einem anderen
KH mit einem guten Hygieneregime zu lernen. Überhaupt bietet das
Benchmarking Chancen zum inner- und interbetrieblichen Vergleich
über
die Infektionsraten, Verbrauchszahlen, Antibiotikaverbrauch u. a.
teilweise (abteilungsweise) oder gesamt über Einrichtungen
(Kliniken) hinweg. Durch diese Vergleiche lassen sich die Erfolge
durch die Arbeit der Hygiene zumindest indirekt vergleichend
darstellen.
Infrastruktur
Zu
einer erfolgreichen Arbeit
einer HFK ist selbstredend auch eine besondere Ausstattung notwendig.
Bei der Büroausstattung ist neben Schreibtisch und einer
Besprechungsmöglichkeit eine leistungsfähige EDV-Anlage mit
Fax / E-mail Funktion und Internetanschluß notwendig. So
können
beim RKI stets die aktuellen Veröffentlichungen von neuen
Richtlinien und des Epidemiologischen Bulletins eingesehen und
heruntergeladen werden.
Zur
weiteren Ausstattung gehören,
Software für Textverarbeitung, Tabellenkalkulationsprogramm.
Präsentations- und Folienbearbeitungsprogramm sind wie ein
Scanner für die Erarbeitung von Fortbildungsmaterial sehr
hilfreich. Eine Digitalkamera ist zur Dokumentation von
Hygienefehlern und für Fortbildungen ein sehr anschauliches
Hilfsgerät.
An
erster Stelle der
Fachliteratur, ist die „Richtlinie für Krankenhaushygiene
und Infektionsprävention“ welche die gesamten vom Robert
Koch-Institut und zuvor vom Bundesgesundheitsamt herausgegebenen
Empfehlungen für die Infektionsprävention beinhaltet, zu
nennen. Diese Losblattsammlung wird ständig aktualisiert. Weiter
benötigt werden Bücher über Mikrobiologie,
Krankenhaushygiene, Arbeitssicherheitsvorschriften u. a..
Fachliteratur zu einzelnen Arbeitsfeldern und
Beschäftigungsbereichen
mit besonderer Infektionsproblematik ergänzen die Literatur der
HFK. Besondere Fachzeitschriften zur Hygiene und Mikrobiologie, in
denen Neuigkeiten diskutiert und Verfahrensweisen zu
Umgebungsuntersuchungen erläutert werden, sind sehr hilfreich,
um mit den Entwicklungen Schritt halten zu können. Gesetzestexte
wie SGB, Trinkwasserverordnung, MedGV usw. können bei bestimmten
Problemfällen dienlich sein und können im Bedarfsfall vom
Internet heruntergeladen werden. Agarplatten, Prüfkörper,
Abstrichröhrchen runden die Ausstattung ab und können
ergänzt werden durch Raumluftkeimmesser und Thermologger die
fakultativ und gezielte Anwendung finden, wenn bestimmte Probleme
diese erfordern.
Ganz
gezielt sollten aber
regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen dazu genutzt
werden, um das Wissen zu den hygienerelevanten Themenbereichen
aktuell zu halten. Dazu scheinen die gesetzlich garantierten 5 Tage
nicht ausreichend zu sein. Bei hochkarätigen überregionalen
Fortbildungsangeboten ist dieser Zeitrahmen schnell aufgebraucht.
Außerdem erscheint eine Regelung mit einem Zeitrahmen zu
unflexibel. Hier finde ich eine Regelung mit einem finanziellen
Budget mit einer Möglichkeit für größere,
finanziell aufwändigere Veranstaltungen Geld anzusparen, sehr
viel sinnvoller. Auf jeden Fall sollte jedoch die HFK
regelmäßig
Fortbildungsveranstaltungen besuchen.
6.
Pädagogische Überlegungen
Wie
schon Eingangs
erwähnt hatte ich Gelegenheit pädagogische Theorien kennen
zulernen und konnte diese auch ich vielen Unterrichtsstunden
ausprobieren. Erstaunlich ist wie groß der Unterschied ist, wenn
diese zur Anwendung kommen und wie fruchtbar solch eine
Unterrichtseinheit ist. Die eingesetzte Zeit ist zwar größer
jedoch bleibt bei den Kollegen sehr viel mehr „hängen“ was
für die Mühen mehr als entschädigt. Überhaupt
befriedigt die Rolle des unterrichtenden Kollegen mehr als die des
frontal Dozierenden, der mit geballtem Wissen die Kollegen
„erschlägt“.
Grundsätzliches:
Bei
meinen Überlegungen zur
Umsetzung der Hygiene vor Ort und der Durchführung von
Unterricht wurde mir der Unterschied, zwischen Unterrichten und
Beraten bewusst. Personen mit jahrenlanger Berufserfahrung, dürfen
nicht wie SchülerInnen behandelt werden. Sie fordern mit Recht
Respekt vor ihrer Lebensarbeitsleistung und dürfen nicht
degradiert werden. Dies würde deren Türen für
Akzeptanz und Aufmerksamkeit gegenüber Neuerungen, gleich
zuschlagen. Gefordert ist hier ein kollegialer Umgang der HFK mit dem
Personal. Eine HFK sollte sich nicht hinter Fachausdrücken
verschanzen und andererseits die Kollegen mit Grundkurswissen
unterfordern. Ihr sollte stets bewusst sein, dass Menschen die seit
Jahren in ihrer beruflichen Arbeit stehen, nicht belehrt sondern
beraten werden sollen!
Dieser
Sachverhalt nimmt vorweg,
dass jeder bestrebt ist seine Arbeit gut und richtig zu machen und
somit zu einem gewissen Teil von sich eingenommen ist. Damit kann
jeder Änderungsvorschlag unter Umständen zunächst als
Kritik missverstanden. Daher sollte in einer solchen Tätigkeit
ein Weg gefunden werden, den Kollegen Wissen, Neuerungen,
Sachverhalte und Änderungen so nahe zu bringen, dass es ihnen
möglich ist, diese ohne Gesichtsverlust anzunehmen, umzusetzen
und dauerhaft anzuwenden. Besonders diffizil wird es für eine
HFK wenn z. B. einem Chefarzt ein neuer Sachverhalt nahegebracht
werden soll, oder sogar ein Kritikgespräch geführt werden
muss, weil hier die Hierarchie das Vorgehen erschwert. Dies bedingt
eine besondere Form der Gesprächsführung (komplementäre
Kommunikation) [1] die ich im Absatz „Kommunikation“
erörtern werde.
Fortbildungsveranstaltungen
Neben
den anderen Vorgaben des RKI ist die HFK gehalten,
regelmäßige
Fortbildungsveranstaltungen in eigener Verantwortung durchzuführen
oder zu organisieren. Auch im KTQ Katalog wird implizit nach der
Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen gefragt. Die Daten
für die Durchführung sowie die Themen werden bei uns vorab
vom IBF für das nächste Jahr festgelegt.
Zur
gezielten Planung der Themen
ist es wichtig, sensibel auf die Wünsche der Mitarbeiter
einzugehen. Es kann auch versucht werden mittels Fragebogen, die
Schulungsthemen bei den Kollegen einzuholen. Dabei kommt aber nach
meiner Erfahrung meist wenig heraus. So gestalte ich meine
Fortbildungsveranstaltungen inhaltlich nach den am meisten gestellten
Fragen in anderen Kursen oder Gesprächen. Um das Interesse zu
einem Fortbildungsthema überhaupt zu wecken, muss versucht
werden den Titel so zu wählen, dass kein Verdacht besteht „alten
Wein in neuen Schläuchen“ zu verkaufen. So kann mit dem
Thema „Händehygiene“ allein sicher keiner der
berühmten alten Hunde hinter dem Ofen hervorgelockt werden.
Es
steht jedem frei, welche
Medien bei der Durchführung von Fortbildungen der Vorzug gegeben
wird. Diese müssen aber beherrscht werden. Sinnvoll ist es, vor
der Veranstaltung, den Teilnehmern ein sogenanntes „Handout“
zur Verfügung zu stellen. So können Notizen und Anmerkungen
angebracht werden und geht der „rote Faden“ einmal
verloren, kann das Versäumte nachgelesen werden. Auch nach der
Fortbildungsveranstaltung kann das Thema nachgelesen und so besser
verstanden werden.
Für
mich ist es mittlerweile zum Standard geworden, nach der
Veranstaltung einen Feedbackbogen von den Teilnehmern ausfüllen
zu lassen. Dieser dient mir zur Evaluation der durchgeführten
Schulung und gibt den Kollegen Gelegenheit für Anregungen und
Kritik. Mir dient dieser zur Anpassung meiner Unterrichtmethoden,
Sprechweise und inhaltlicher Gestaltung. (siehe Anlage)Hygienezeitung
Meine
Überlegungen führten
zu der Idee einer Hygienezeitung (siehe Anlage). Darunter verstehe
ich ein schriftliches Informationsmedium für das Klinikpersonal.
Diese Zeitung hat ein gleichbleibendes Erscheinungsbild in Form,
Größe, Schrift und Farbgebung, ein einheitliches Layout um
deren Wiedererkennung zu erleichtern. Mit der Zeitung können
hygienisch relevanten medizinischen Erkenntnisse und Neuerungen in
ansprechender Art den Kollegen präsentiert werden. Als
Schriftformatierung benutze ich den Zeitungsstil mit drei Zeilen, um
das Lesen aufzulockern. Dazwischen werden ClipArts plaziert. Die
lockere Form macht das ganze etwas „leichter“ zu lesen
und wird gut angenommen. Mittels der Zeitung versuche ich eine
Belehrungssituation in persönlichen Gesprächen zu umgehen.
Außerdem kann so die Information zu einer Zeit nachgelesen
werden die sich die Zielperson selbst aussuchen kann. Die Information
kann beliebig oft nachgesehen werden, was besonders bei komplexen
Themen Sinn macht. Die Hygienezeitung wird gesammelt, abgeheftet im
Hygieneordner auf der Station abgelegt und ist so jedermann,
jederzeit zugänglich.
Inhalte
bilden Artikel aus
Hygienezeitschriften, Veröffentlichungen des RKI zum Thema
Hygiene und Protokolle aus der Hygienekommissionssitzung. Dies wird
aufgelockert durch einen lustigen hygienerelevanten Beitrag.
Die
Akzeptanz nach der dritten
Ausgabe unter den Kollegen ist sehr gut. Viele Kollegen nutzen die
Möglichkeit, über Fragen zu einzelnen Artikeln mit mir ins
Gespräch zu kommen. Aus entstehenden Gesprächen und
Unterhaltungen entstehen Beratungen die sehr fruchtbar sind.
Oft kommen auch Pflegepersonen aufgrund der Hygienezeitung auf mich
zu und fragen nach, wie einzelne Maßnahmen, die sie der Zeitung
entnommen haben, in der Abteilung besser umgesetzt werden können.
Spezielle
Überlegungen:
Patricia
Benner, eine etablierte
Pflegepädagogin aus den USA, definiert 5 Stufen der
Pflegekompetenz. 1) Anfänger, 2) Fortgeschrittener, 3)
kompetenter Pflegender, 4) erfahrener Pflegender und 5)
Pflegeexperte. Dies ist eine in gewisser Weise willkürliche
Festlegung. Die Übergänge der einzelnen Stufen sind
fließend und können auch in unterschiedlichen
Wissensgebieten differieren (siehe [5], Kapitel 2) .
Sie
arbeitet jeweils heraus, dass
es ein Unterschied macht, welche (Wissens-)Stufe ein Gegenüber
in einem Beratungs- oder Kritikgespräch hat:
So
kann einem Anfänger oder
auch noch einem Fortgeschrittenen das benutzte Vokabular Probleme
bereiten. Fachtermini, die nicht richtig verstanden wurden, werden im
Gespräch dann falsch interpretiert und können Fehler
verursachen. Erfahrene Pflegende oder Pflegeexperten benutzen oft
eine eigene Fachsprache, die ein hohes Maß an Abstraktion
zeigt. Komplexe Zusammenhänge, die bei erfahrenen Pflegenden
oder Pflegeexperten als selbstverständlich vorausgesetzt werden
können, führen bei Anfängern häufig zu Problemen.
Komplexe Zusammenhänge müssen für Anfänger in
einzelne Schritte zerlegt werden. Beim „kompetent Pflegenden“
kann es als Besserwissertum oder Gängelei empfunden werden, wenn
bei Erklärungen zu weit ausgeholt wird.
Besonders
Schwierig ist es, einem
Pflegeexperten neue Verhaltensmuster anzutrainieren ([5] siehe „Die
Rolle der Erfahrung). Pflegeexperten handeln nach Benner intuitiv und
können oftmals ihre Handlungsschritte nicht verbal
reproduzieren. Somit ist es sehr schwierig diese Handlungsabläufe
dauerhaft zu verändern. Das kann missverständlich dazu
führen, solche Personen als stur und eigensinnig einzustufen.
Mancher neigt dazu diesen Personen zu Unrecht die notwendige
Adaptationsfähigkeit zuzubilligen.
Es
ist hier sehr ein hohes Maß
an Adapations- und Analyseleistung von der HFK notwendig um solchen
Anforderungen gerecht zu werden.
Kommunikation
Wenn
wir miteinander Reden, kann
manches schief gehen. Gute Gespräche hängen nicht nur vom
„guten Willen“ ab, sondern auch vom Wissen welche
Vorgänge und Verwicklungen mitspielen, wenn eine Kommunikation
missglückt ist. Die moderne Psychologie der Kommunikation, kann
heute einiges anbieten damit wir besser miteinander klarkommen.
Die
Kommunikationswissenschaft
formuliert hilfreiche Grundregeln der menschlichen Umgangsform
untereinander. Für eine Tätigkeit wie die der
Hygienefachkraft ist es meiner Ansicht nach dringend erforderlich,
sich verstärkt mit den Theorien der Kommunikationswissenschaft
auseinanderzusetzen. Es ist damit einfacher Störungen zu
erkennen und zu bewältigen. Deshalb möchte ich an dieser
Stelle etwas ausholen und die Theorien zeitgenössischer
Kommunikationsforscher anreißen:
Der Kommunikationsforscher
Watzlawick u. a. (1990) (siehe [8], Seite 50 –71) postulierte 5
Axiome der Kommunikation wie folgt:
(1)
Man kann
nicht nicht miteinander kommunizieren
Kommunikation ist ein
Verhalten, das kein Gegenteil hat:
Kommunikation findet
nicht
nur sprachlich statt, ein großer Teil der Kommunikation findet
auf nichtsprachlich Art (nonverbal) statt. Das heißt
Körperhaltung, Gestik, Mimik usw. haben großen Anteil an der
Kommunikation. Die Beendigung eines Gespräches unterbricht nicht
die Kommunikation. Z. B.: Das nicht mehr miteinander redende Paar
bringt gewollt die gegenseitige Missachtung zum Ausdruck. Auch das
schmollend in der Ecke sitzende Kind kann zum Ausdruck bringen: „Euch
brauche ich doch alle gar nicht.“ Wie Menschen sich anscheinend
zufällig beim Vorübergehen auf der Straße im Bus usw.
verhalten, erlaubt Rückschlüsse auf den Menschen, spricht
sozusagen Bände!
(2)
Jede
Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Der
Beziehungsaspekt bestimmt den Inhaltsaspekt.
Je
partnerschaftlicher eine
Beziehung ist, desto partnerschaftlicher ist der Umgangston. Oder je
autoritärer die Beziehung , desto autoritärer ist der Ton der
Anweisungen. D. h.: abhängig von der Art der Beziehung zum
Gegenüber, wird der Inhalt aufbereitet, um diesen dem
Gegenüber zu präsentieren. Bei hierarchisch Unterstellten
kann z. B. durch Autorität ein gewisser Druck erzeugt werden, der
sicherstellt, daß keine störenden Rückfragen kommen und
gewährleistet, dass die Anweisung befolgt wird. In einer
gleichberechtigten Partnerschaft wird sich ein autoritärer Ton
untereinander verbieten.
(3)
In einer
guten Beziehung lässt sich jeder Inhalt besprechen.
In jeder guten
Beziehung ist
auch deswegen ein gewisser Gleichklang vorhanden, weil es ein tiefes
Verständnis füreinander gibt, welches auch die Kommunikation
über jedes noch so sensibles Thema ermöglicht. Bei einer
Kommunikation beispielsweise über die eigene Gefühlswelt
„gibt“ man viel von sich her. Das heißt man macht sich
angreifbar, verletzbar. Jede Kommunikation über sensible,
persönliche Themen mit Fremden oder unsympathischen Menschen ist
eigentlich undenkbar.
(4) Kommunikation kann auf digitaler und auf analoger Ebene erfolgen.
Digitale
Kommunikation
umfasst die verbale Sprache, analoge Kommunikation alle non- und
paraverbalen Informationen.
Das gesprochene Wort
ist also
als digitale Kommunikation zu verstehen. Körpersprache, Gestik,
Mimik, Tonfall, Sprachlautstärke, Betonung usw. fällt in den
Bereich der analogen Kommunikation.
(5)
Kommunikation ist entweder symmetrisch oder komplementär.
Symmetrische
Kommunikation
beruht auf Gleichheit unter den Gesprächspartnern,
komplementäre Kommunikation auf Ungleichheit. Eine symmetrische
Kommunikation ist meist phantasievoller und lebendiger, eine
komplementäre wird oft disziplinierter sein.
Darüber hinaus differenziert
Schulz von Thun (siehe [1] Seite 26 –31) eine Nachricht in vier
Aspekte: den Sachinhalt, den Appell, die Beziehung und die
Selbstoffenbarung.
Er
definiert folgendermaßen:
Sachinhalt
– der Aspekt der Nachricht, um den es geht.
Appell
– was mit der Nachricht erreicht werden soll.
Beziehung
– wie stehe ich zu meinem Gesprächspartner.
Selbstoffenbarung –
indem
etwas zum Ausdruck gebracht wird, wird auf der anderen Seite ein
Eindruck hinterlassen. In gewisser Weise gebe ich etwas von mir her!
Weiter
verweist Schulz von Thun
auf die Eigenart der Kommunikation, daß nicht nur die Nachricht
in diese vier Aspekte zerlegt werden kann, sondern der Empfänger
einer Nachricht hat die Möglichkeit eine Nachricht gleichsam mit
vier Ohren zu empfangen. Diese Ohren entsprechen den Aspekten des
„Senders“. Der Empfänger hat jedoch nach Schulz von
Thun die Möglichkeit der freien Auswahl der „Ohren“,
mit denen er die Nachricht empfangen will. Dies ist der Punkt, der
die Kommunikation kompliziert werden lässt. Schulz von Thun
führt als Beispiel an, wie ein Lehrer auf eine Nachricht einer
Schülerin reagieren kann: „Herr Lehrer, die Resi hat ihren
Atlas einfach in die Ecke gepfeffert!“
-
Sachaspekt: „Und hat sie das mit Absicht getan?“ Er nimmt die
Sachinformation zur Kenntnis und bittet um weitere Sachinformationen.
-
Selbstoffenbarung: „Du bist ganz schön böse darüber,
Astrid?“ - Oder „Du bist ja eine Petzliese!“
-
Beziehungsseite: „Warum erzählst du mir das? Ich bin doch nicht
euer Polizist!“ – Oder „Ich freue mich, daß du zu mir Vertrauen
hast...!“
- Appell: „Ich werde
gleich mal
sehen, was da los ist!“
7.
Soziale
Kompetenz
Nicht
alles
lässt sich erlernen, Kommunikation wie eben die soziale Kompetenz,
die am besten mit Feingefühl oder Fingerspitzengefühl
umschrieben werden kann, ist von manchem nicht erlernbar. Dennoch
sollte sich jeder in der Öffentlichkeit damit zumindest
beschäftigen, damit zumindest verstanden werden kann wie manche
Schwierigkeit entstanden ist. So lässt sich vielleicht im
nachhinein doch noch manches klären.
Hierarchische
Ebenen der Kommunikation
Die
Vielfalt der hierarchischen
Ebenen in der sich die Tätigkeit der HFK abspielt, ist ungeheuer
umfangreich.
Die
HFK hat es mit Personen zu
tun, die in den unterschiedlichsten Hierarchieebenen miteinander zu
tun haben: Praktikanten, Zivildienstleistenden , Auszubildenden und
führen über Stationspersonal,
Abteilungs-/Stationsleitungen, Laborpersonal, PTAs, MTA’s,
Physiotherapeuten bis hin zu Oberärzten, Chefprofessoren,
Klinikdirektoren.
Die
von Schulz von Thun dazu
erläuterten Beziehungsmuster (nach Haley) sind die drei:
Symmetrische
Beziehungen. Symmetrisch ist eine Beziehung dann, wenn beide
Partner dem anderen gegenüber das gleiche Verhalten zeigen
können. Etwa, wenn beide Vorschläge machen, den anderen
kritisieren, ihm Ratschlaäge geben können. Entspricht dem
normalen Umgang unter Kollegen.
Komplementäre
Beziehungen. Komplementär ist eine Beziehung dann, wenn A
andere Verhaltensweisen zeigt als B, die beiden Verhaltensweisen sich
aber ergänzen und gleichsam aufeinander zugeschnitten sind: der
eine fragt, der andere antwortet; der eine lehrt, der andere lernt; der
eine befiehlt, der andere gehorcht. Meist impliziert die
Unterschiedlichkeit eine Art von Überlegenheit und Unterlegenheit,
der eine hat die Oberhand, der andere die Unterhand. Dies entspricht
etwa der hierarchische Stellung eines CA gegenüber einer HFK.
Metakomplementäre
Beziehungen. Zunächst scheint es so, als könne es nur
symmetrische und komplementäre Beziehungen geben. Die Sache wird
aber kompliziert, wenn wir an Situationen denken, in denen A seinen
Partner B dazu bringt, über ihn zu verfügen oder ihn zu
lenken oder ihm zu helfen. B hat damit die Oberhand; auf einer
höheren Stufe hat jedoch A die Oberhand, indem er diese Art von
komplementärer Beziehung herbeigeführt hat. Dies nennt Haley
eine metakomplementäre Beziehung. Auch ist denkbar (und
häufig der Fall), dass A seinem Partner B veranlasst, ihm
gegenüber als gleichwertig, gleichrangig aufzutreten, sich ihm
gegenüber symmetrisch zu verhalten: Wenn also A seinem Partner
eine symmetrische Beziehung erlaubt oder sie von ihm fordert. Dies ist
eine paradoxe Situation in Partnerschaften, wenn z. B. der Mann von
seiner Frau fordert, sie solle ihm ein gleichwertiger Partner sein und
sich emanzipieren. Die Frau befindet sich in einem unheilvollen
Dilemma, in einer Art „Double-bind-Situation“.
Diese drei
Beziehungsmuster
können natürlich innerhalb einer Beziehung in wechselnder
Folge auftreten (siehe [1] Seite 182).
Durch
die hierarchische Vielfalt
dürfte gewährleistet sein, dass eine HFK im Verlauf von
kurzer Zeit, mit so ziemlich mit allen geschilderten
Kommunikationsmustern konfrontiert wird. Um den aus dieser Vielfalt
notwendigen Kommunikationsmustern gerecht zu werden, ist eine hohe
Anpassungsleistung notwendig, der die HFK gerecht werden soll.
8.
Selbstpflege und Qualitätsmanagement in der Hygiene
Selbstpflege
bedeutet den sinnvollen Einsatz der Ressourcen die in Form von
„manpower“ zu Verfügung stehen. Im Zusammenhang mit der Hygiene
verstehe ich darunter den effektiven Einsatz der Arbeitskraft die eine
Hygienefachkraft als „Einzelkämpfer“ vor Ort zu erbringen in der
Lage ist. Dabei muss ich mir immer wieder klar machen, dass die
gesteckten Ziele unter Umständen nicht in einem Schritt zu
erreichen sind. Mir muss klar sein, dass ich mit meinem Ansinnen unter
Umständen scheitern werde und mir muss klar sein dass die Zeit
eventuell für mich arbeitet. Dazu ist es für mich notwendig
auch kleine Erfolge zu „feiern“ wie eine gewonnene Schlacht, um meine
psychische Kraft zu erhalten. Es scheint mir notwendig, eine Art
Einsatzplanung für Wichtiges festzulegen und „Feinziele“ und
„Grobziele“ zu definieren. Diese sollten für die festgelegten
Ziele in realistischen Zeitgrenzen gefasst sein. Die Hygienefachkraft
ist in meinen Augen Partner des Pflegepersonals und unterstützt
dieses durch die gezeigten Maßnahmen, berät und klärt
auf. Dieser Wille zur Partnerschaft muss deutlich gemacht werden und
aus den Handlungen und dem Umgang miteinander erkennbar werden.
Die
Hygienefachkraft, die resolut
und autoritär Richtlinien, Gesetze und Regelungen durchsetzt,
gehört meines Erachtens der Vergangenheit an. Die Personen, die
heute ihre Arbeit so durchzusetzen versuchen, sind in einem
erheblichen Maß vom “Burn-Out“ bedroht!
9.
Fallbeispiel
Um die
Darstellungen etwas zu erklären, möchte ich diese anhand
eines Fallbeispielses erläutern:
Vermuteter
Ausbruch von MRSA auf einer Chirurgische-Wachstation
Der
konkrete Fall befasst sich
mit einer Häufung von MRSA-Fällen, die zu der Annahme
Anlass gaben, es handele sich um einen Ausbruch. Mitte dieses Jahres wünschte der chirurgische Chefarzt Prof.
Dr. B.
morgens
das Gespräch mit der HFK auf der Station C 8
(Chirurgische-Wachstation). Bei dem Gespräch wurde von dem CA
der dringende Verdacht geäußert, dass er die Zahl von 3
MRSA-Fällen auf der Station für bedenklich hoch halte und
einen gemeinsamen Infektionsherd auf Station oder anderswo im Haus
vermute. Weiter kritisierte er den schlechte Informationsstand seiner
ärztlichen Kollegen bezüglich MRSA. Von der HFK erwartete
er konkrete Vorschläge zur Bestätigung oder zum Ausschluss
dieser Vermutung und eine Informationsveranstaltung. Den Hinweis auf
die Meldepflicht eines Ausbruchs nach § 6 IfSG wurde von ihm
abgewiesen, er wollte erste Ergebnisse abwarten um genauere Angaben
machen zu können. Es wurde von der zuständigen HFK der
Vorschlag gemacht, mittels einer Daten-Erhebung der im Augenblick
stationären MRSA-Patienten, nach Parallelen zu suchen. Da Prof.
B. dies als nicht ausreichend erachtete, erfolgte der Vorschlag die
Isolate der MRSA-Patienten nach Wernigerode ins Nationale
Referenzzentrum für Staphylokokken des Robert Koch-Institutes,
zur Gentypisierung zu senden. Dies wurde vom CA als gute Initiative
erachtet, um die Erhebung zu untermauern und Sicherheit geben zu
können. Man verblieb mit der Zusage der engmaschigen
Informationsweitergabe.
Anhand
des Vorschlages des
Bundesgesundheitsamtes erarbeitete sich die HFK einen Erhebungsbogen
(Anlage), in dem die Daten der Patienten eingetragen und verglichen
werden können. Mit diesem Bogen wurde eine umfangreiche
Datensammlung durchgeführt. Die Erhebung wurde auf die
Gefäßchirurgische Station C 5 ausgedehnt, da viele
Patienten über die C 8 auf die C 5 verlegt wurden. Bei dieser
Erhebung wurden die Daten der MRSA infizierten Patienten gesammelt
und verglichen, um eventuelle Gemeinsamkeiten festzustellen. Diese
Aktion nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Zeitgleich wurde im Labor
nachgefragt, ob die Isolate der zuletzt aufgetretenen MRSA-Fälle
noch vorhanden seien. Hier jedoch zeigte sich, dass die
entsprechenden Agar-Platten nicht aufbewahrt wurden. Es waren nur
noch die Platten der zuletzt aufgetretenen 3 Fälle vorhanden. Im
Nationalen Referenzlabor wurde telefonisch die notwendige Information
zum Versand eingeholt. Die Proben wurden nach den Anweisungen
versandfertig gemacht und mit dem mittlerweile per Fax eingegangenen
Formblatt per Paketdienst nach Wernigerode verschickt.
Die
Auswertung der Erhebungsdaten
ergab keine Gemeinsamkeiten außer der Multimorbidität der
Patienten, es war also nicht von einer gemeinsamen Quelle auszugehen!
Dies wurde dem CA als Zwischenbericht so mitgeteilt.
Der
Befund von Wernigerode
erreichte die HFK nach 13 Tagen und überraschte! – nur bei
einem der 3 Isolaten handelte es sich MRSA. Die beiden anderen waren
Kolonien von MRSH! Es handelte sich also um Staphylokokken
haemolyticus, der ein ähnliches Resistenzmuster wie der
Methicillinresitente Staphylokokkus aureus aufweist, jedoch Koagulase
positiv ist! Es handelte sich also bei der hohen Zahl von
MRSA-Fällen
nicht um einen Ausbruch, sondern um einen Laborirrtum!
Auswertung
und Maßnahmen
Der
zuständige Laborarzt wurde von der HFK umgehend informiert und
gebeten, die Befunde sämtlicher aktuellen MRSA-Patienten zu
überprüfen.
Der
CA erhielt den Abschlußbericht mit dem Hinweis, dass die Befunde
der derzeit stationären MRSA-Fälle überprüft
werden. Eine Kopie davon erhielt der Laborarzt.
Im
Labor wurden daraufhin alle Befunde mittels anderer Testmethoden
nochmals überprüft. Das entsprechende Reagenz zu
Identifizierung von Staphylokokken war anscheinend so empfindlich, dass
es auch bei Staph. haemolyticus agglutinierte.
Daraufhin
wurde vom zuständigen Laborarzt veranlasst, jeden positiven
MRSA-Befund zukünftig von einem Fremdlabor be-stätigen zu
lassen.
Es wurde weiter
angeregt,
dass zukünftig alle Isolate von MRSA-Patienten über den
Zeitraum von 3 Monaten aufbewahrt werden, um für wirkliche
Ausbruchsituationen gerüstet zu sein.
Es wurde
klar, wie
wichtig eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Ärzten und
Hygiene ist. Es wurde auch deutlich wie wichtig die kommunikative
Kompetenz der HFK ist. Der Hinweis, der mangelhaften ärztlichen
Kompetenz bezüglich MRSA, hätte leicht dazu führen
können, den CA vorzuwerfen, die ärztlichen Kollegen
hätten kein Interesse an Fortbildungen. Erst wenige Wochen zuvor
war eine solche Fortbildung angeboten worden, diese wurde jedoch von
ärztlicher Seite nicht wahrgenommen! Dem CA wurde nicht der
Vorwurf gemacht, wichtige Informationen nicht an seine Kollegen
weitergegeben zu haben, da die Befunde einer mikrobiologischen
Umgebungsuntersuchung, bei der MRSA an einer Türklinke zum OP
festgestellt wurde, nicht an die Assistenten weitergegeben wurden. So
wäre das notwendige Vertrauen zerstört worden und eine
konstruktive Arbeit nicht möglich geworden!
Mit
viel Sachkenntnis wurden die
zur Verfügung stehenden Mittel angeboten, um die potentielle
Quelle im Haus einkreisen oder ausschließen zu können. Der
Hinweis eine Meldung an das Gesundheitsamt zu machen, erfolgte und
wurde dem CA erläutert. Da die HFK jedoch keine Weisungsbefugnis
hat, erfolgte die Meldung nicht, da der CA die zu dem Zeitpunkt als
nicht notwendig erachtete und zunächst noch weitere Daten
abwarten wollte. Dies erwies sich im Verlauf als richtig! Vom
ärztlichen Direktor wurde bei einem Informationsgespräch
zum konkreten Fall und Verlauf das Vorgehen als gut bewertet. Auch
die notwendigen Konsequenzen, die sich aus dem Umgang mit den
MRSA-Isolaten und deren Befundung ergab, wurden erfasst und eine
Anpassung erfolgte: Die Isolate werden seitdem für eine
definierte Zeit aufbewahrt und die Befunde von MRSA werden durch ein
zertifiziertes Fachlabor überprüft.
10.
Zusammenfassung
Ich bin
der
Ansicht, dass nicht allein die Anzahl von Hygienevisiten,
Abklatschuntersuchungen oder festgestellten hygienerelevanten
Schwachpunkte als Qualität in der Hygiene gewertet werden
können. Ähnlich der Pflegeplanung stelle ich mir einen
Regelkreis vor, in dem fortwährend der Ist-Zustand
überprüft, Maßnahmen unter Einbeziehung neuer
Bedingungen erarbeitet und gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort
umgesetzt werden. Die Einführung der neuen Eigenschaften bedingt
das erneute Anlaufen des Regelkreises. Das Maß der Umsetzung vor
Ort in Verbindung mit dem Erkennen weiterer Schwachpunkte und der
Ansatz diese mit dem Personal und Kollegen vor Ort zu bewerten und zu
beseitigen, ist für mich QM in der Hygiene. Ähnlich dem
PDCA-Zyklus bei den KTQ-Kriterien. Somit definiert sich die
Qualität in der Hygiene im Grad der dauerhaften Umsetzung
einzelner Maßnahmen durch die betroffenen Mitarbeiter vor Ort.
Lässt
sich vielleicht noch
die Qualität eines funktionierenden Hygienemanagements relativ
leicht, durch z. B. niedrige Infektionsraten oder geringer
Antibiotikaverbrauch, abbilden. So erlaubt dennoch der Umkehrschluss,
bei z. B. hohen Infektionsraten, nicht zwangsläufig die
Ableitung einer schlechten Hygiene oder HFK. Hier existieren zu viele
Schnittstellen, wie z. B. Überlastung der Kollegen, zu selten
oder schlecht durchgeführte Fortbildungsangebote, mangelhafte
soziale Kompetenz etc., als dass sich davon alleine ein schlechtes
Hygieneregime ableiten lassen kann!
Besondere
Bedeutung hat auf jeden
Fall die Surveillance von nosokomialen Infektionen. Wird diese
konsequent vor Ort durchgesetzt und fortgeführt, führt sie
über den „Hawthorne-Effekt“ und durch die erhobenen
Daten kurz-, mittel- und langfristig zu einer dauerhaften
Verhaltensänderung im Sinne einer Verbesserung hinsichtlich
hygienisch relevanten Verhaltens. Dies führt ab dem
beschriebenen Maß von einer 6%igen Reduktion ([6] S12;
Abschnitt 2.4) von nosokomialen Infektionen zu Einsparungen!
Was
ich noch besonders
herausstellen möchte: Die Qualität der HFK korreliert mit
ihrer sozialen Kompetenz! Denn nur was so vermittelt wurde, dass es
verstanden und akzeptiert wurde, kann dauerhaft und
vollständig umgesetzt werden. Dazu soll im Idealfall das
Gefühl
vorhanden sein, dass die Lösung nicht von Außen
übergestülpt wurde sondern eventuell der Antrieb sogar aus
der Abteilung selbst gekommen ist. Nur wenn der Kollege nicht „vor
den Kopf gestoßen“ wird, bleibt er für ein Gespräch
offen und ist den Inhalten zugänglich. Daher ist soziale
Kompetenz besonders wichtig, nur wer die Mittel und Möglichkeiten
nutzen kann sich möglichst viele Mitarbeiter zu Verbündeten
zu machen, kann auch ein Maximum an Veränderungen und
Verbesserungen an den Schnittstellen zum Patienten dauerhaft um- und
durchsetzen!
Mit der
derzeitigen
personellen
Ausstattung der Kliniken mit Hygienefachkräften ist es nicht
möglich, den gesamten Katalog an Vorschlägen des RKI
abzuarbeiten. Aber auch bei voller Ausstattung mit 1er HFK pro 300
Krankenhausbetten, genügte es nicht allen aufgezählten
Tätigkeiten in vollem Umfang den Vorschlägen nachzukommen.
Der HFK vor Ort ist es letztlich überlassen in Absprache mit dem
Ärztlichen Direktor und den hygienebeauftragten Ärzten und
nach den jeweiligen Erfordernissen und Ansprüchen der
Einrichtung zu entscheiden, was jeweils wichtig und angebracht ist.
Die Qualität definiert sich so wohl am ehesten darin, wie und
wieweit für die jeweilige Einrichtung die Maßnahmen
getroffen werden um möglichst viele nosokomiale Infektionen zu
vermeiden. Dabei spielt wie bereits gesagt das „Benchmarking“
und die „Best-practice Methoden“ eine ganz entscheidende
Rolle, da diese gezielt zum Vergleich mit anderen Einrichtungen
herangezogen werden können. Totschlag Argumente von
Klinikleitern, in Bezug auf Vergleichbarkeit werden dadurch wohl
nachhaltig entkräftet. In der Folge wird so die eine oder andere
liebgewonnene Handlung mancher Chefs wohl der Vergangenheit
angehören
müssen.
11.
Glossar:
Benchmarking:
Das Vergleichen von
Herstellungsprozessen, Managementpraktiken sowie Produkten oder
Dienstleistungen zur Aufdeckung von Leistungsdefiziten.
Best-practice
Methoden: Effektivste
Methode zur Erreichung eines bestimmten Zieles, z. B. Produktion,
Management etc.
Double-bind-Situation:
Botschaften die immer falsch gedeutet werden und so dem Verursacher
die Möglichkeit der permanenten Kritik und Unzufriedenheit mit
dem Ausführer geben.
Hawthorne-Effekt:
Verbesserung der
Arbeitsqualität, wenn diese beobachtet und beurteilt wird, wie
dies beispielsweise bei der Surveillance von nosokomialen Infektionen
der Fall ist.
Nosokomiale
Infektionen: im
Krankenhaus erworbene Infektion, die bei Aufnahme in das Krankenhaus
weder vorhanden noch in der Inkubationsphase war.
Robert-Koch-Institut:
zentrale
Forschungs- und Referenzeinrichtung des Bundesministeriums für
Gesundheit, ehemals Bundesgesundheitsamt
Surveillance:
Erfassung und
Bewertung von nosokomialen Infektionen
12.
Abkürzungsverzeichnis
Verzeichnis
der im
Text verwendeten Abkürzungen
CA
Chefarzt
DBfK
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (früher
Krankenpflege)
EFQM
European Foundation for Quality Management
HFK
Hygienefachkraft
IBF
Abteilung für innerbetriebliche Fortbildung
KTQ
Kooperation für Transparenz und Qualität
PDL
Pflegedienstleitung
QM
Qualitätsmanagement
RKI
Robert-Koch-Institut (ehemals Bundesgesundheitsamt; Berlin)
SGB
Sozialgesetzbuch
13. TQM Total Quality
ManagementLiteraturverzeichnis:
[1]
Schulz von Thun, Friedemann;
Miteinander Reden, Teil 1 – Störungen und Klärungen;
(1981), Rowohlt Verlag; 1996
[2]
KTQ-Manual, Version 4.0; 2002
[3]
SozialGesetzBuch V, §135;
Internet: http://www.bgm.de
[4]
Infektionsschutzgesetz IfSG
[5]
Benner, Patricia; Stufen der
Pflegekompetenz (From Novice to Expert) Huber Verlag (1993)
[6]
Schulze, Gastmeier, Geffers,
Rüden; Handbuch für die Surveillance von nosokomialen
Infektionen; NOMOS Verlagsgesellschaft Baden-Baden (2002)
[7]
Robert-Koch-Institut;
Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention;
Urban & Fischer Verlag München/Jena Sept. 2001
(einschließlich 18. Lieferung)
[8]
Beavin, Jackson, Watzlawick;
Menschliche Kommunikation, pragmatische Axiome – ein
Definitionsversuch; Verlag Hans Huber (1967)
[Startseite]
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[Kontakt]
[Links]
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